Observatorium für Prognosen, irrelevante Fragen und Widersprüche.
 

Endlich wieder Wulff, endlich wieder phäakische Besserwissereien.


Auf Spiegel online ein guter Artikel von Dirk Kurbjuweit über den Prozess gegen Wulff, dem ich in allen Kernaussagen zustimme.

Was dem Artikel freilich nicht erspart, dass ich ihm die kleinen Fehlerchen unter die Nase reibe. Kurbjuweit schreibt: "Es kam heraus, dass er (Wulff) und seine damalige Frau mit einem anderen Freund, David Groenewold, einen kleinen Urlaub auf Sylt verbracht hatten. Groenewold zahlte für das Hotel, angeblich händigte ihm Wulff das Geld hinterher in bar aus."

Nein, die 2007er Syltsause unternahm Wulff nicht mit seiner damaligen Frau Christiane, sondern mit seiner damaligen Geliebten Bettina Körner (seiner späteren zweiten Frau). Das macht für den Korruptionsvorwurf keinen großen Unterschied, für die ästhetische Bewertung aber schon. Ich fand die Einlassung Wulffs, er habe die Hotelrechnung für seine Geliebte und sich gegenüber Groenewold mit Bargeld beglichen, das seine Geliebte von ihrer Mutter geschenkt bekommen habe, den Gipfel der Peinlichkeit. Und nicht aus juristischen, aber aus geschmacklichen Gründen hatte ich gehofft, die Geliebte sei wenigstens von Groenewold eingeladen worden.

Kurbjuweit schreibt: "Es ist also (an Anklagepunkten) wenig übriggeblieben. Und ist nicht Wulff durch den Verlust des Amtes und durch die Scheidung von seiner Frau gestraft genug? "

Scheidung? Habe ich da etwas verpasst? Oder will Kurbjuweit andeuten, die Scheidung von Christian und Christiane Wulff sei 2008 wegen der Syltgeschichte erfolgt?

Kurbjuweit schreibt: "Trotz der kleinen Summe geht es um einen bedeutenden Fall, dem nur ein guter Prozess ein würdiges Ende verleihen kann", und dem stimme ich zu. Und doch frage ich mich: Ist unsere Gesellschaft wirklich inzwischen so reich, dass 753,20 Euro der Inbegriff eines lächerlich kleinen Geldbetrags sind?

Von 753,20 Euro konnte man 2007 länger als zwei Monate menschenwürdig leben (ohne Mietkosten). Es gibt jede Menge Menschen, deren Girokonto dauernd überzogen ist, und für die 753,20 Euro den Unterschied zwischen finanziellen Sorgen und dem Gefühl ausmachen, sich endlich wieder mal was leisten zu können. Und zu denen - zumindest zu denen, deren Girokonto dauernd überzogen ist - gehörte auch der damalige Ministerpräsident Christian Wulff.

Wenn bei dem Prozess noch eine interessante Erkenntnis abfällt, dann vielleicht die Klärung der Frage, warum bei Wulff ständig Ebbe in der Kasse war. Waren es wirklich so gewaltige Unterhaltszahlungen an Christiane? Eigentlich fehlt doch einem Ministerpräsidenten die Zeit, so viel Geld auszugeben.


 
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Mit erhobenem Mittelfinger


Ob die Verteidigungen des Mittelfingers durch Thierse und Steinbrück selbst wirklich etwas bringen?

Mit der Erklärung, dass Steinbrück so schlicht, vulgär und leicht reizbar ist, dass er auf bei Licht betrachtet harmlose Spitznamen mit der brutalstmöglichen Beleidigung reagiert, könnte ich noch besser leben als mit der Vorstellung, dass maßgebliche Teile der deutschen Sozialdemokratie in dieser Geste eine zugespitzte Satire sehen.


 
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Erbarmungslos?


Nein, natürlich würde ich nicht Mitt Romney wählen, wenn ich US-Amerikaner wäre.
Ja, Clint Eastwood ist offensichtlich alt geworden.
Nein, eine glänzende politische Rede war das sicher nicht.

Aber: Wie kann man denn so borniert und naiv sein, um Eastwood vorzuwerfen, er rede ohne Manuskript und Teleprompter und sei damit überfordert gewesen? Der Mann ist nun wirklich Profi.

Wie blind muss man sein, um zu übersehen, dass Eastwoods Gestocke und Gestammele ein gewolltes schauspielerisches Element war? Eine - nein: gewiss nicht geniale, aber passable - Darstellung eines Journalisten, der einem eigentlich ganz sympathischen Politiker unangenehme Fragen stellen muss und auf den sich die Nervosität und Verspanntheit des Interviewten überträgt.

Ich fand die Schauspiel-Einlage (DAS war es nämlich, und keine politische Deklaration)

  • für einen US-amerikanischen Parteitag, auf dem sich die Delegierten nach Weisung der Parteiführung kostümieren müssen, wirklich sophisticated - und auch manch Teilnehmer eines deutschen Parteitags wäre wohl von diesem Maß an Brechung überfordert.

  • für einen republikanischen Angriff auf Obama erstaunlich viel berechtigte Fragen enthaltend, wie die Fragen nach den Versprechen, Guantanamo zu schließen und den Irakkrieg zu beenden.

  • anders als faz.net meint, frei von rassistischen Ressentiments.

Aber faz.net bezeichnet ja auch Obama als den ersten schwarzen Präsidenten, ihn, der seinen schwarzen Vater mit zehn Jahren zum letzten Mal sah und viel mehr von seiner weißen Mutter und vielleicht noch mehr von seiner weißen Großmutter erzogen wurde.

Oder sehe ich da was falsch?


 
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Das vorerst letzte


verunglückte literarische Zitat des jüngsten Alt-Bundespräsidenten der Republik lautete:

Als Niedersachse hätte ich es wissen können. Es ist die Region auch von Wilhelm Busch. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Bin ich wirklich der einzige, dem aufgefallen ist, dass das Zitat nicht von Wilhelm Busch stammt? Was Wulff vermutlich meint, ist:

Aber hier, wie überhaupt,
Kommt es anders, als man glaubt.

aus Plisch und Plum.

Nach Wikipedia stammt
„Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt." von Alexander Spoerl. Leider wird aber kein Werk nachgewiesen.

Aber ist es nicht auch furchtbar, Niedersachsen als die "Region auch von Wilhelm Busch" zu bezeichnen?


 
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Broderlein


Ich finde Broder oft billig und schlecht, aber hier trifft er es immerhin im Ansatz. Wie ich schon vor Gabriels vergifteter Unterstützungserkärung sagte: Ein angeschlagener Wulff nützt der SPD.

Dann geht es aber rumpelig weiter: "Zur Zeit hat die Bundesrepublik vier bezahlte Präsidenten: Wulff, Walter Scheel, Richard von Weizsäcker und Roman Herzog."

Du darfst noch einmal raten, Henryk. Vier war schon ganz schön nahe dran. Überleg noch einmal, hast Du nicht jemanden vergessen? Kleiner Tipp: Sein Vorname fängt mit demselbem Buchstaben an wie deiner. Und er hat eine ähnlich entspannte Haltung zu Militäreinsätzen.

"Ja, Christian Wulff ist der Herr der Binse. Manche Kommentatoren meinen, Deutschland habe etwas Besseres verdient. Aber das ist ein Irrtum."

In Ordnung, kann man so sehen. Im nächsten Absatz heißt es:

"Als Ministerpräsident von Niedersachsen war er der richtige Mann am richtigen Platz. Nun muss er eine Bühne bespielen, die für ihn zu groß ist."

Wie bitte? Ich dachte er wäre genau der Bundespräsident, den Deutschland verdient. Entscheide dich, Henryk!

"Es ist eine One-Man-Show im Olympia-Stadion. Sie wird noch drei Jahre weiter gehen. Der einzige Trost dabei ist: Es wird keine zweite Runde geben."

Im letzten Punkt bin ich mir gar nicht sicher. Ich halte es für recht wahrscheinlich, dass es nach der Bundestagswahl 2013 zu einer schwarz-roten (vielleicht nicht unbedingt großen) Koalition kommt. Dann könnte die SPD es sich abhandeln lassen, Wulff zu verlängern. Ich halte mal dagegen: Wenn Wulff bis 2015 durchhält, macht er auch noch bis 2020.


 
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Die Verteidigung des Wulffs und die Auferstehung des Fleischhauers


sind beide - und das ist das Faszinierendste - nicht nur völlig losgelöst von der Faktenlage, sondern auch noch von jeglichem, sogar dem ureigensten, Klischee.

Ein Journalist macht mit einem Politiker zusammen ein Buch; das Honorar darf er allein behalten, so ist es mit dem Verlag vereinbart. Dann gerät der Politiker, der inzwischen zum Bundespräsidenten aufgestiegen ist, in Schwierigkeiten. In der Zeitung, in der der Journalist als Kolumnist arbeitet, erscheint ein großer Artikel darüber, dass ein bekannter Finanzunternehmer 40.000 Euro für Anzeigen ausgegeben hat, um das Buch zu einem Erfolg zu machen. Der Journalist erklärt darauf, dass er von diesen Anzeigen zum ersten Mal durch die Recherchen seiner eigenen Zeitung erfahren habe. Natürlich ist er entsetzt. Der Politiker sagt das Gleiche: Aber was im Fall des Journalisten für bare Münze genommen wird, gilt bei seinem Mitautor als billige Ausflucht, die nur den Verdacht nährt, er wolle etwas verbergen.

Aha. Man nimmt also für bare Münze, was ein Bildzeitungsjournalist sagt. Im so linksgewirkten Deutschland, in dem jeder Konservative damit rechnen muss, jederzeit einem Progrom zum Opfer zu fallen.

Fleischauer, Sie sind doch angeblich in so einem furchtbar linkem Milieu groß geworden. Wussten Sie nicht spätestens ab dem zehnten Lebensjahr, dass man der Springerpresse nicht trauen darf? Mein Sozialbiotop war deutlich weniger links, und wir wussten das alle.

Ansonsten herzlichen Glückwünsche an alle, die den Anteil der Affären an der Weihnachtsansprache zutreffend mit Null angaben.

Was die Berichterstattung über die Gerüchte von Frau Wulffs Vorleben angeht, fand ich Harald Schmidt letzte Sendung vor der Weihncahtspause bemerkenswert: "Welche Strupfhose meine Frau trägt ist Viktoria's Secret."

Es bleibt spannend.


 
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Susan Sorondon beleidigt UNS.


Susan Sorondon nennt Ratzinger einen Nazi.

Der Spiegel berichtet und spricht zwei Mal (davon einmal als Zitat der jüdischen Anti-Diffamierungsliga) von "Nazi-Vergleichen". Das ist natürlich Quatsch. Wer mich ein Arschloch nennt, vergleicht mich nicht mit einem, sondern sagt, ich sei eines. Noch blöder ist es, die seltsame Hitler-Versteher-Nummer von Lars von Trier mit der Susan-Sorondon-Aussage auf den gemeinsamen Nenner eines Nazi-Vergleichs zu bringen. Wir erinnern uns: Der einzige, den von Trier als Nazi bezeichnete, war er selbst.

Eifrig, aber vielleicht doch etwas zu kurz gegriffen die Erklärung des Spiegels: "Sarandons Bemerkung hat einen ernsten Hintergrund: Als Papst Benedikt noch Joseph Ratzinger war und ein Teenager, war er für einige Zeit Mitglied der Hitler-Jugend - ein Umstand, der lange bekannt und oft diskutiert ist."

Ich kenne Sorondon zu wenig, aber mindestens genauso wahrscheinlich kommt es mir vor, dass sie darauf anspielen wollte, dass Ratzinger mit Williamson einen Holocaustleugner rekommuniziert hat.


 
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Riesenbitte an evangeliche Schurnalisten


Bevor Sie Fragen stellen, Brenner, die mit ''Wir Protestanten'' beginnen (''Wir Protestanten haben es nicht so mit den Engeln. Wie stellen Sie sich denn einen Schutzengel vor?'') bitte mal ein kleines bisschen recherchieren. Dem Protestantismus ist Engelglaube im allgemeinen und Schutzengelglaube im besonderen durchaus nicht fremd.

Das gilt auch für Sie, Fleischhauer! Auch wenn ich nach ihrem vorletzten Erguss nicht mehr so sicher bin, dass Sie Protestant sind.

Zur Frage, ob Unverheiratete miteinander schlafen sollten, hat die evangelische Kirche - anders als Sie glauben - eine sehr differenzierte Sichtweise, ebenso zur Jungfräulichkeit der Mutter Jesu.

Der Unterschied ist, dass die evangelische Kirche ihre Positionen nicht mit Höllenstrafandrohung durchzusetzen versucht - was bei Ihnen vermutlich sehr viel mehr Eindruck machen würde.

Darum gürte deine Lenden wie ein Mann, Fleischhauer-Jan, ich will Dich lehren, höre mich: Wenn Du noch einmal Sülze über die Protestanten verfasst, ohne deinen Kasperkopf vorher in ein einschlägiges Buch gesteckt zu haben, dann wirst du hinabfahren in das Reich, in dem dir Claudia Roth deine Texte mit Betonung vorlesen wird, und dazu werden die MitgliederInnen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft die Griffel der vorvorletzten Bildungsreform über die Schiefertafeln kreischen lassen und du wirst gezwungen werden, sämtliche Tischreden Martin Luthers nach Art eines Walldorfschuelers nachzutanzen.

(Dieser Beitrag verdankt sich dem Besuch von Professor Ratzinger, denn die beiden Schurnalisten hätten ansonst was anderes, wenn auch nicht unbedingt was vernünftigeres geschrieben.)


 
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Riesenbitte an evangeliche Schurnalisten


Bevor man Fragen stellt, die mit "Wir Protestanten" beginnen

Wir Protestanten haben es nicht so mit den Engeln. Wie stellen Sie sich denn einen Schutzengel vorFragen formuliert die mit


 
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  1. Jahrestag des Mauerbaus: Der Spiegel glänzt

und schreibt:

"Jahrzehntelang patrouillierten DDR-Soldaten an der innerdeutschen Grenze, um die Flucht ihrer Landsleute zu verhindern. Fast tausend Menschen starben. Auf diesem Foto vom 17. August 1961 tragen Grenzposten den leblosen Körper von Peter Fechter weg, einer der ersten Mauertoten. Er wurde in Berlin bei einem Fluchtversuch niedergeschossen."

www.spiegel.de

Fechter wurde genau ein Jahr später, am 17. August 1962 getötet. Günter Litfin hieß der erste Mensch, der an der Mauer erschossen wurde. Dies geschah am 24. August 1961 - also nicht vier, sondern elf Tage nach dem Mauerbau.

Im ersten Jahr der Mauer gab es bereits Dutzende Todesopfer. Der Totschlag an Fechter ist also nicht deswegen so bekannt, weil er einer der ersten Opfer gewesen wäre, sondern weil sein Tod so grausam und dramatisch war.


 
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Ich muss schon sagen:


Die Prognosen des Observatoriums (hier und hier) waren schon mal schlechter. Zurückgetreten ist der Lügenbaron und das in einer Art, die ich als eine Mischung aus gutsherrlich und melodramatisch bezeichnen würde, was über 90 Prozent der Umfrageteilnehmern Recht gäbe.

Mich beeindruckt, wie jemand auch noch mit derartig runter gelassenen Hosen so viel Selbstgerechtigkeit aufbringen kann. Die bösen bösen Medien haben nur noch über seine Dissertation berichtet und nicht über die toten und verwundeten Soldaten am Hindukusch. Daran ist doch er mit seiner abstrusen Wirklichkeitsverweigerung schuld. Maischberger meinte gestern abend, er hätte politikertypisch immer nur das zugegeben, was ohnehin offensichtlich war. Wie schön wäre das denn gewesen! Was offensichtlich war, hat er erst noch x- Mal geleugnet!

Aber wir sollten frisch weiter prognostizieren:

Welche Wortschöpfung anlässlich der Causa Guttenberg wird es auf die Longlist der Wörter des Jahres 2011 schaffen?

Ergebnis

 
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Ich weiß nicht, was soll es bedeuten


Gestern vor 155 Jahren starb Heinrich Heine und Ass. jur. Jürgen Seul nimmt das zum Anlass, im Juristen-Magazin Legal Tribune online dem super-originellen Ansatz zu folgen, das Werk eines Dichters, der mal Jura studiert hat, daraufhin abzusuchen, was dieser denn so über das Studium geschrieben hat.

Die Einleitung liest sich dann so: "Heinrich Heine war Romantiker, Dichter und politischer Journalist; seine Werke wie das "Buch der Lieder" wurden schon zu Lebzeiten verboten. Dennoch gehört Heine noch heute zu den bedeutendsten Erscheinungen der Weltliteratur."

Ich hab ja schon so meine Zweifel, ob man bei 12 Auflagen, die vom Buch der Lieder zu Heines Lebzeiten erschienen, man von einem "Verbot" des Buches sprechen kann, nur weil die Zensur Änderungen verlangte.

Stutzig macht mich vor allem, dass der Autor es für bemerkenswert hält, dass das Buch schon zu Heines Lebzeiten verboten war, so als wäre es eigentlich der Normalfall, dass Bücher erst posthum verboten würden. Klar: Das gibt es auch, Sacher-Masochs "Venus im Pelz" ist ein bekanntes Beispiel. Aber die erste Hälfte des 19. Jahhunderts war doch derart zensurversessen, dass es wundern würde, wenn ein Buch in dieser Zeit erlaubt war und anschließend verboten wurde.

Auch schön das "Dennoch", mit dem Seul die Adelung von Heines Werk zur Weltliteratur einräumt. Auch der Staat kann also irren. Manchmal verbietet er Bücher, die eigentlich ganz gut sind! Die Welt ist voll Wunder! Und das "noch heute", so als ob sich die Wertung, was Weltliteratur sei, so furchtbar schnell änderte.


 
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Tempora mutantur, nos et mutamur in Lierhaus


Ja, die Zeiten ändern sich. Dass eine Frau den Mann fragen muss, ob er sie (nicht endlich) heiraten will, wäre vor nicht allzulanger Zeit als sehr demütigend empfunden worden. Dies in aller Öffentlichkeit zu tun, wäre einer gesellschaftlichen Vernichtung gleichgekommen. Die Reaktion des Publikums hätte nicht in Tränen der Rührung, sondern in entsetztem fremdschämenden Aufseufzen bestanden.

Natürlich ist es gut, dass diese Zeiten vorbei sind. Klar, warum soll nicht eine Frau den Mann fragen, ob er sie heiraten will? Aber dann passt es einfach nicht, dass der Mann sich nach dem "Ja" hinkniet. Wenn sie was von ihm will, dann muss - wenn überhaupt - sie knien.

Ach und SpOn, waren die beiden wirklich schon verlobt, wie Du schreibst. Äh, was bedeutet eigentlich Verlobung? Das man sich verspricht, sich zu heiraten, oder? Ist das nicht eigentlich so, dass erst die Annahme des Heiratsantrags die beiden zu Verlobten macht? Nächstes Mal die Kollegen von der Bunten fragen!


 
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Nein, er war höchstens römisch-katholisch


was ein Widerspruch in sich ist, was römisch ist, ist es ja gerade nicht allgemein (=katholisch). Sehr konsequent sind daher die orthodoxen Kirchen, wenn sie die Kirche des Papstes als römische Kirche bezeichnen und die "katholische Kirche", die in ihrem Glaubensbekenntnis vorkommt, nur durch ökumenische Konzile repräsentiert sehen.


 
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Krebsch, sonschtwas


Was ich in 75 Minuten ARD-Dokumentation über einen schwäbisch-katholischen Dorfpfarrer gelernt habe:

Wie weit weg der vom Theologiestudium ist: Das Rho aus dem Christusmonogramm seines Talars bezeichnet der Pfarrer gegenüber Schwester Reparata als „das P“. Die unverkennbar animistische Vorstellung der Indios, der Geist des Pfarrers habe den Geist des Sterbenden geholt, stilisiert er unkorrigiert zum eigenen Erweckungserlebnis. Die aus dem Mittelalter stammende evangelische Kirche des Nachbarorts sei – so der Pfarrer – früher wahrscheinlich katholisch gewesen.

Wie allgegenwärtig die Kirche mit einem Unternehmen gleich gesetzt wird. Der Pfarrer als Teamleiter („Team von Garten und Team von Küche“), die schlechte Performanz des prozentualen Kirchenbesuchs (allerdings erheblich besser als in der Großstadt), die oft gestellte Frage, ob nun gewachsene Konkurrenz oder Missmanagement zum Machtverlust der Kirche geführt haben.

Wie tief human die schwäbische Mundart doch ist. Wenn sich der Pfarrer und die spastisch gelähmte Pastoralreferentin unterhalten, hört man deren Sprachbehinderung erst nach drei Minuten raus.


 
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Wir waren gedopt.


Versteht das jemand? Der als Ullrich-Kritiker auftretende Masseur D'hont behauptet, dass ohne Doping Ullrich auf Jahre der Beste gewesen wäre. Tatsächlich war Ullrich - nach Aussage von D'hont: mit Doping – über Jahre der Zweitbeste, später der Viertbeste. Hat er weniger gedopt als der Beste? Warum sollte er das getan haben, die Strafe bei Entdeckung wäre ohnehin dieselbe gewesen? Ist er aus genetischen Gründen weniger Doping-empfänglich? Dann hatte er wohl doch nicht die richtigen Radfahrer-Gene. Oder hatte sein Team weniger fähige Doping-Ärzte als andere? dann ist es doch wieder das alte Lied: Nur durch die Dolchstöße der Heimatfront kann ein Deutscher besiegt werden.


 
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Bitte streiche meine Stellenzahl stärker!


..., statt der befürchteten Massenentlassung sei auch eine weniger starke Streichung der Stellenzahl möglich - vielleicht um 100 Personen.

Solange SpOn solche Sätze schreibt, empfinde ich seine Rückkehr zur "klassischen Rechtschreibung" so, als würde man in der Bibliothek von Alexandria die Türknöpfe restaurieren.

Übrigens, SpOn, woran hängt es eigentlich, dass du immer noch neu schreibst? Wolltest Du nicht schnellstmöglich wieder "klassisch" werden und war es nicht so, dass deine Redakteure ohnehin ihre Artikel nach alter Orthografie verfassten und erst das böse Korrekturprogramm, dessen Abschaltung du deinen Lesern beschriebst, der "staatlich verordneten Legasthenie" zum Durchbruch verhalf? Ist es doch nicht so einfach, die Option "neue Rechtschreibung" wegzuklicken?


 
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Hartz 9/11


Soziale Absicherung ist gut und schön. Wer Gutes zu reduzieren plant, muss sich nach seinen Gründen fragen lassen, und man darf ihn kritisieren.
Wenn es zutrifft, dass manche Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit Termine für Arbeitslose deshalb auf Brückentage legen, damit die Arbeitslosen den Termin versäumen und infolgedessen (vorübergehend) aus der Statistik fallen, ist dies nicht im Sinne des Sozialstaats, und man muss es kritisieren.

Sollte man aber wirklich diese Vorgänge, wie es MH und gHack tun, mit Folter, Terror und Sadismus gleichsetzen? Geht es wirklich nicht zwei bis drei Nummern kleiner? Wäre es nicht angebracht, sich den Vorwurf der Folter für Folter aufzusparen, weil diese - traurig genug - nicht außerhalb der Vorstellung liegt?

Warum dieser Holzhammer? Hartz IV wird, insbesondere von Antvillanern nicht so hemmungslos hochgejubelt, dass die hyperbolische Kritik als Gegenmittel gerechtfertigt wäre. Könnte es sein, dass man mit ihr eigene leise Zweifel übertönen möchte? Etwa die Frage, ob nicht auch insofern etwas faul im Sozialstaat Dänemark ist, als Brückentage offenbar so selbstverständlich als Feiertage angesehen werden, dass man an ihnen auch von einem Arbeitslosen keinen Behördengang erwarten kann?

In einem durchaus regierungskritischen Artikel schreibt SpOn von einem Langzeitarbeitslosen, den die Umstellung von Alhi auf Alg2 zur Aufgabe des Reihenhauses zwingen könnte. Von einem anderen Arbeitslosen wird berichtet, der schicksalergeben konstatiert, dass die Eigenheimzulage zum Einkommen gezählt wird. Eine Immobilie verkaufen zu müssen, die man liebgewonnen hat, ist sicher schmerzlich. Aber ist es denn wirklich ein Gebot der Gerechtigkeit, dass unzählige erwerbstätige Steuerzahler, die sich selber nie ein Haus werden leisten können, Arbeitslosen, die früher mal gut verdient haben, das Häuschen abbezahlen?

Ich frage ja nur.


 
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Bitte endlich merken: Kadetten sind Jungens


Ich hatte es schon mal erklärt, aber SpOn hat es nicht verstanden. Heute schreibt er:

'We need a hero': So heißt das zweistündige 'Medien-Trainingsseminar für Veteranen' am Rande des Parteitags, bei dem die alte Kriegergarde exakte Instruktionen für den Kerry-Einsatz erhält - aus Händen des Abgeordneten Hoyer und des PR-Beraters Jon-Christopher Bua, eines Parteimitarbeiters und gewieften Wahlhasen, der den Drill-Offizier gibt. 'Ihr wollt ihre Stimmen!', schwört er die Kadetten auf den Häuserkampf um die Wähler ein.

Aber der gewiefte Wahlhase ist wunderwunderschön.


 
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Warum heißen plötzlich alle Simon?



Zwei Jahre lang hatte man ihn (sc. den Sexismus-Pokal) mir ungebeten hinterhergetragen, jetzt war ich ihn los. Max Goldt hatte ihn genommen - so wie einst Simon Petrus das Kreuz von Jesu Schultern nahm, um es ein Stück zu tragen. (Wiglaf Droste)

Simon Petrus, soso. War das nicht der, der Jesus verleugnete? Und er ging hinaus und weinte bitterlich, diese ganze Geschichte? Und beim Kreuztragen hat er dann wieder zugepackt?

Lieber Herr Droste, Sie meinen Simon von Cyrene (Mt 27, 32). Dass diese Israeliten aber auch immer dieselben Vornamen haben.

Mehr zur Passion Drostes und Goldts hier.


 
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Schönste Tautologie der Bundesligasommerpause


Doch die Vereinbarung ... beruht auf Gegenseitigkeit.


 
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Beckmann, investigativ,


fragt seine Gäste, namentlich den Kulturzeit-Moderator Scobel, dessen Frau Fröhlich und die Schauspielerin Folkert:
"Könnt ihr euch noch an Dick und Doof erinnern?"
Warum antwortet keiner: "Nee, nie gehört."


 
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Dialektik des Nackichmachens


Dass sich Frauen zwecks Medienkarriere ausziehen, hält Sonya Kraus im SpOn-Interview für "legitim. Nacktheit ist doch etwas ganz Natürliches. (...) Gerade der weibliche Körper ist etwas so Schönes, und ich gestehe gerne, dass ich Playboy-Guckerin und damit ein Frauenfan bin."

Ich wiederhole: Schönheit ist schön, und Natürlichkeit ist natürlich, und der Einsatz der beiden zu eigenen Zwecken ist legitim. Kann man nachvollziehen.

"Natürlich gibt es eine gewisse Inflation der Nacktheit. Jedes Mäuschen, das ins 'Big Brother'-Haus rennt, zieht sich erst mal aus. Wer so handelt, verkauft sich einfach zu billig."

Ist also doch komplizierter: Schönheit und Natürlichkeit sind kein Selbstzweck, sie müssen verknappt werden und dürfen nur zu nachhaltigen Beförderung einer schon möglichst weit gediehenen Medienkarriere eingesetzt werden, um den Preis fürs Nackichmachen nicht zu verderben.

"Weil mein eigenes Schamgefühl aber bei der Brustwarze anfängt und beim Schambein aufhört, ziehe ich mich eben nicht für ein Magazin aus."

Na Gott sei Dank, dann kriegen wir ja wenigstens die Schamlippen zu sehen, denn die befinden sich - jedenfalls nach meinem Sexualkundeatlas - unterhalb des Schambeins. Aber Scherz beseite: Wofür schämen Sie sich eigentlich, Frau Kraus, wenn der nackte Frauenkörper so wunderschön und natürlich ist, dass Sie ihn auch selber gerne begucken und das moralische Verbot des Preiseverderbens angesichts Ihrer Begehrtheit sicherlich auch nicht verletzt worden wäre?

"Im Übrigen gebe ich (...) öffentlich zu, dass ich falsche Wimpern, Haarteile, Kontaktlinsen, portable Tittchen und einen Bauch-Weg-Gürtel benutze."

Ach so, jetzt verstehe ich, es ist schön, einen natürlichen Körper zu zeigen, Sie aber haben einen durch allerlei Prothetik unnatürlich veränderten, schämen sich dafür und lassen uns deshalb nicht Ihre stationären Mammas sehen. Fragt sich nur, warum Sie nicht auch den Mantel des Schweigens über Ihre Teilkünstlichkeit breiten.

"Frauen haben mehrere Persönlichkeitsfacetten."

So ist es wohl. Amen.


 
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Die Partei der Pisa-Verdienenden


'Mit dem Grad an Akademikern steigt auch der Grad an Individualisten - deswegen wird die FDP immer Disziplinprobleme haben', kommentiert der saarländische FDP-Vorsitzende Hartmann lachend einen Angriff Kubickis auf Piper.

Köstlich. Da haben wir es den Volksparteien mal wieder gezeigt.Und manche Akademiker sind so bedingungslos individualistisch, dass sie sich von der Sprachgemeinschaft nicht einmal vorschreiben lassen, was "Grad" bedeutet.


 
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Sachen gibt's, doo!


illegale Bordellbesuche

 
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Die Enttäuschungen der Saison: Real Madrid, McLaren-Mercedes, Henryk M. Broder



Noch am 22. April schrieb Irene: "Der Mann, der da hingeht, wo es weh tut, ist für mich zu allererst Henryk Broder."

Dann kamen die Folterfotos, und als wollte er Irene widerlegen, beschränkt sich Broder bei seiner Amerikareise darauf, das Thema, über das die Welt spricht, höchstens in Andeutungen und Marginalien zu touchieren, und sich in der Hauptsache der Feuerwehrberichterstattung (das Observatorium berichtete), dem Embedded Journalism über Immobilien suchende Schriftsteller und den Lobpreisungen der amerikanischen Freiheit zu widmen, die soweit geht, ein - nein das darf doch nicht wahr sein - Café zu betreiben, in dem man sich anwaltlich beraten lassen kann.

Wenn Broder etwas konnte, war es aufwiegeln und ins Wespennest stechen. Was er jetzt versucht, ist abzuwiegeln und abzulenken. Und wie das so ist, wenn man eine Arbeit erledigt, die man selber verachtet, es schleichen sich peinliche Flüchtigkeitsfehler ein:

"In Deutschland hätte Jeffrey längst ein Verfahren wegen standeswidrigen Verhaltens am Hals, denn deutsche Anwälte dürfen für ihre Dienste nicht einmal werben."

Falsch. Schon seit Jahren ist sachliche Werbung erlaubt.

"Ein Anwalt, der seinen Schreibtisch in einem Café aufgebaut hat, könnte sich seine Zulassung bald im Hobbykeller an die Wand hängen."

Vor einigen Wochen konnte man bei Spiegel online über die deutschen Zustände lesen: Advokaten im Supermarkt: Scheidungsberatung ab 99 Cent.


 
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Die gute Nachricht: SpOn lernt. Die schlechte: langsam.


Dass ich SpOn hier dafür tadelte, dass er die Ilias als klassischste aller Tragödien bezeichnete, scheint sich unser kleiner Racker zu Herzen genommen haben. Er weiß jetzt, dass sie ein Epos ist. Brav.

Aber wer hat dir denn den Schwachsinn erzählt, dass es sich um dabei um ein attisches Epos handelt? Du sagst doch selbst, dass Homer aller Wahrscheinlichkeit nach von der kleinasiatischen Küste stammt. Die Sprache Homers ist auf jeden Fall kein attisches, sondern ionisches Griechisch. Aber ich will heute mal nicht schimpfen, im Vergleich zu letztem Mal hast Du dich wirklich gesteigert. Das nächste mal fragst Du einfach mal jemanden, der sich damit auskennt.


 
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Henkel bei Maischberger


beklagt gleich als erstes an den Deutschen einen Mangel an Humor. Ungefähr 37 Sekunden später kriegt Schröder sein Fett weg. Der lache ständig, so als sei die Lage des Landes so witzig.


 
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Fast richtig


Er schickt das Leder aus vollem Lauf volley auf die elliptische Bahn.

Einen Ball, den man (in eine andere Richtung als zum Erdmittelpunkt oder genau entgegegesetzt) schießt, beschreibt keine Ellipse, sondern immer eine Parabel. Wie heißt das Adjektiv zu Parabel? Nein, das ist nicht schon wieder Deutschunterricht, zu Physik gehört auch die Beherrschung der Fachsprache. Parabolisch.


 
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Gesetzt den Fall, die antike Götterwelt sei real,


würde dann der Frevel, Achilleus, den Sohn der Thetis, in einem einzigen Artikel 'Super-Söldner', 'Mega-Killer' und 'Superkiller' zu nennen, ausreichen, um sein postmortales Leben im Tartaros zu verbringen? Nein?
Reicht es dann wenigstens aus, die Ilias als die "klassischste aller Tragödien" zu bezeichnen, um als ungebildet zu gelten?


 
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last updated: 15.11.13 08:21
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